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Farbtheorie: Wie setzen Sie Farben ein?

Veröffentlicht am 23 März 2022

Man denkt nicht jeden Tag darüber nach, aber jede Farbe hat eine Bedeutung. Unbewusst verbinden wir eine Farbe mit einem Gefühl, mit einer Emotion. Auf dieser Website finden Sie Gelb als Akzentfarbe neben dem überwiegenden Schwarz-Weiß. Gelb ist eine Farbe, die mit etwas Positivem assoziiert wird (und natürlich mit Ostern, aber das ist eine ganz andere Geschichte).

Bei der Farbtheorie in der Fotografie kommt noch etwas dazu: Wie wirkt sich eine Farbe auf den Rest Ihres Fotos aus? Darauf möchte ich auch eingehen.

Positive und negative Assoziationen bei Farben

Was auf einer Website funktioniert, funktioniert natürlich auch in der Fotografie. Farben sind wichtig und können ein Foto gelingen lassen oder ruinieren. Selbst in der Schwarzweißfotografie spielt Farbe eine Rolle. Es ist kein Zufall, dass wir auch dort von Rot, Gelb, Grün und Blau sprechen. Das sind Töne, die wir individuell anpassen können. Aber zurück zu den Farben.

Es sei klar gesagt: Eine Farbe kann sowohl positive als auch negative Assoziationen haben. Ich nannte Positivität als eine Assoziation bei Gelb, aber vielleicht kennen Sie auch die Assoziation Reizüberflutung (Nervosität). Sowohl Zwitsal als auch ich haben uns entschieden, auf die positive Assoziation zu setzen.

Übersicht der Farbbedeutungen

Blau
Positiv: Vertrauen, Loyalität
Negativ: Konservativ, sachlich

Wo sehen wir Blau?
Visa, Dell, Facebook, Rijksoverheid

Hellblau
Positiv: Jung, kühl
Negativ: Kalt, emotionslos

Wo sehen wir Hellblau?
Skype, Twitter, AH, Vereinte Nationen

Braun
Positiv: Sicherheit, Wärme
Negativ: Langweilig, stur

Wo sehen wir Braun?
M&M’s, UPS, Nespresso, Louis Vuitton

Gelb
Positiv: Positivität, Erneuerung
Negativ: Angst, Reizüberflutung

Wo sehen wir Gelb?
McDonalds, Lay’s, Snapchat, Ferrari

Grau
Positiv: Neutral, zeitlos
Negativ: Ausdruckslos, langweilig

Wo sehen wir Grau?
Apple, Toyota, Mercedes-Benz, WordPress

Grün
Positiv: Balance, Wachstum
Negativ: Langeweile, Eifersucht

Wo sehen wir Grün?
Land Rover, Staatsbosbeheer, Spotify, BP

Orange
Positiv: Optimistisch, warm
Negativ: Unreif, billig

Wo sehen wir Orange?
Fanta, PostNL, Nickelodeon, Amazon

Lila
Positiv: Qualität/Luxus, Kreativität
Negativ: Dekadent, Introversion

Wo sehen wir Lila?
Milka, Monster.com, Lucardi, Hallmark

Rot
Positiv: Leidenschaft, Aktivität
Negativ: Aggression, Provokation

Wo sehen wir Rot?
Coca-Cola, Levi’s, Texaco, Netflix

Rosa
Positiv: Beruhigend, fürsorglich
Negativ: Hilflos, hemmend

Wo sehen wir Rosa?
Dunkin’ Donuts, Lyft, LG, T-Mobile

Weiß
Positiv: Perfektion, Klarheit
Negativ: Gleichgültig, steril

Wo sehen wir Weiß?
Apple, Swarovski, Uber, Mini

Schwarz
Positiv: Solidität/Effizienz, Glamour
Negativ: Distanziert, bedrohlich

Wo sehen wir Schwarz?
New York Times, WWF, Audi, Nike

In vielen Fällen ist es natürlich eine Kombination aus zwei oder drei Farben, aber meistens dominiert eine davon. Verstehen Sie jetzt, warum die Unternehmen oben genau diese Farben für ihr Logo gewählt haben?

Manchmal muss man umdenken. Man kann bewusst auf Billig (Orange) oder auf die Reizüberflutung von Gelb setzen. Dieser Jumbo-Werbespot mit Snollebollekes? Genau. Die Rabobank nutzt Blau und Orange. Wibra hat ein gelb-rotes Logo, genau wie Lay’s. Manchmal werden bestimmte Kombinationen gewählt, gerade wegen der Mischung aus positiven und negativen Eigenschaften.

Komplementärfarben

Farbpsychologie kann manchmal weit gehen. Auf Basis dessen, was Sie ausstrahlen möchten, wählen Sie Ihre Unternehmensfarben. Sie setzen auf Wiedererkennbarkeit. Das macht manchmal auch abhängig. Hier können Sie nachlesen, wie Unternehmen ihr Logo und manchmal ihre Farben geändert haben oder auch nicht (und manchmal wieder zurückgeändert haben). In den meisten Fällen sorgen die Farben trotzdem für die Wiedererkennung, auch wenn das Logo sich vollständig verändert hat (siehe BP, Converse).

Auf einer Website schaue ich immer auf den Farbeinsatz. Einer der häufigsten Fehler ist es, die Unternehmensfarbe zu konsequent durchzuziehen. Es ist schön, dass Grün Ihre Hausfarbe ist, aber wenn Sie alles grün machen, fällt nichts auf. Vor allem Ihr Call-to-Action, also die Aktion auf der Seite, von der Sie hoffen, dass die Besucher sie ausführen (zum Beispiel auf einen Button klicken), muss herausstechen.

Eine Möglichkeit dafür ist die Verwendung einer Komplementärfarbe für diesen Button. Dann können Sie sicher sein, dass er auffällt.

Komplementärfarben finden Sie im Farbkreis oder „Color Wheel“. Die Farben, die sich gegenüberliegen, sind komplementär. Haben Sie also eine überwiegend blaue Website, wird ein oranger Button am meisten auffallen. Gelb liegt Lila gegenüber.

Kurz ein Hinweis: So schwarz-weiß muss es nicht sein. Ihre eigene Meinung und Ihre Vorlieben zählen ebenfalls.

Ich wollte unbedingt Dunkelgelb, aber auf keinen Fall Lila. Im Farbkreis liegt Blau gegenüber diesen Übergangsfarben von Gelb zu Orange, und ich habe mich entschieden, Blau für den ersten Button auf meiner Homepage zu verwenden. Es sind Richtlinien, keine Gesetze.

Ein wichtiger Hinweis dazu: Komplementärfarben sind zusammen nicht unbedingt eine gute Kombination. Wenn Sie die eine Farbe als Hintergrund und die andere als Textfarbe verwenden, kann das zu unlesbaren Texten führen.

Farbkreis mit zwei Paaren von Komplementärfarben: Blau gegenüber Orange und Gelb gegenüber Violett

Jetzt gleich: Schauen Sie sich Ihre Website an!

Die wichtigste Lektion ist, dass Sie ruhig einen kritischen Blick auf Folgendes werfen dürfen:

  1. Die Ausstrahlung Ihres Logos und Ihrer Unternehmensfarben. Passen die Farben zum Image, das Sie anstreben?

  2. Die verschiedenen Call-to-Actions auf Ihrer Website. Fallen sie ausreichend auf? Können Sie durch den Einsatz einer Komplementärfarbe die wichtigsten Elemente Ihrer Seite noch besser hervorheben?

Ich würde es einfach ausprobieren.

Fotografie

Ich könnte viel darüber schreiben, aber in meinen Farbfotos spielen Farben immer die Hauptrolle. Das Wichtigste in einem Farbfoto ist für mich die Farbe. Falscher Einsatz dieser Farbe lenkt ab. Zu viel Farbe lenkt ab.

Auf einer Website wählen Sie die Farben selbst. Bei einem Foto arbeiten Sie mit dem, was da ist, und entscheiden, was Sie zeigen. Farbe kann das Motiv sein, Stimmung vermitteln und den Blick lenken. Eine kräftige Farbe kann schneller Aufmerksamkeit auf sich ziehen als ein Gesicht. Deshalb schaue ich zuerst auf die Farben im Bildausschnitt, dann auf den Rest.

Welche Farben passen nebeneinander?

Der Farbkreis hilft auch bei der Farbharmonie in einem Foto. Komplementärfarben wie Blau und Orange erzeugen Spannung und können das Motiv hervorheben. Analoge Farben liegen im Farbkreis nebeneinander. Diese Kombination wirkt oft ruhiger.

Ein roter Mantel in einer grauen Straße setzt einen Farbakzent. Wenn es vor allem um Stimmung geht, kann eine begrenzte Farbpalette reichen. Nicht jedes Foto muss schreien. Die vorhandenen Farben lassen sich meist nicht aussuchen. Bildausschnitt, Standpunkt und Moment bestimmen aber, welche davon gemeinsam im Foto landen.

Drei Felder nebeneinander: komplementär (Blau und Orange), analog (Gelb, Gelbgrün und Grün) und ein einzelner roter Akzent in Grau

Warum die weiße Wand plötzlich blau ist

Licht hat selbst eine Farbe. Kerzenlicht, eine Glühlampe und die tief stehende Sonne geben warmes Licht. Im Schatten, bei Bewölkung und in der blauen Stunde kann es kühler wirken. Ihr Auge passt sich daran an. Eine Kamera hat dafür den Weißabgleich. Der schätzt die Situation nicht immer so ein, wie Sie sie sehen.

Beim automatischen Weißabgleich entscheidet die Kamera. Ein bewusst gewählter Weißabgleich legt fest, was neutral erscheint. Bei RAW-Dateien lässt sich diese Entscheidung später ohne Qualitätsverlust bei den Farben ändern. Warme Farben können Nähe und Gemütlichkeit vermitteln, kühle eher Distanz oder Ruhe. Dieses Gefühl darf bleiben.

Eine Lampe im Raum und Tageslicht durchs Fenster bringen gleichzeitig unterschiedliche Farbtemperaturen ins Bild. Alles neutral wiederzugeben, ist dann nicht ohne Weiteres möglich. Es kommt darauf an, was stimmen soll. Bei einem Porträt ist das meist das Licht auf dem Gesicht.

Skala von warmem Kerzenlicht über neutrales Tageslicht bis zu kühlem blauem Schattenlicht, mit derselben weißen Wand in jeder Tönung

Haut, Kleidung und Hintergrund

Bei Haut fällt schnell auf, wenn die Farbe nicht stimmt: orange, fahl, ungesund. Wände, Kleidung und Bäume reflektieren ihre Farbe. Eine grüne Wand kann also einen Grünstich im Gesicht verursachen.

Kleidung, die zu Haut und Augen passt, hilft, die Aufmerksamkeit beim Gesicht zu halten. Einfarbig oder dezent kann angenehm sein. Kräftige Farben und auffällige Muster ziehen selbst Aufmerksamkeit auf sich. Besprechen Sie diese Abwägung mit Ihrem Fotografen. In meinem Artikel über die Vorbereitung auf Ihr Porträtshooting geht es auch um Kleidung und darum, was Sie mitbringen.

Bei professionellen Porträts gibt ein ruhiger Hintergrund dem Gesicht Raum. Eine komplementäre Hintergrundfarbe kann es hervorheben. Wie der orange Button auf der blauen Website, nur mit einem Menschen.

Auf der Straße lässt sich auf Farbe warten

Eine Wand, eine Tür oder ein Bus kann der Ausgangspunkt für ein Foto sein. Vielleicht läuft jemand mit einer passenden Farbe in diese Fläche hinein. Kontrollieren lässt sich das nicht. Aber es gibt einen Ort zum Beobachten.

Ein kleines, farbkräftiges Motiv kann als Akzent schon reichen. Farbe kann Linien und Bildebenen betonen, aber auch die ganze Aufmerksamkeit beanspruchen. Mehr zu dieser Abwägung steht im Artikel über Komposition in der Straßenfotografie. Auch meine Straßenfotografie finden Sie hier.

Schauen Sie sich ruhig einmal Fotos von Martin Parr oder Alex Webb an, um nur zwei Vorbilder zu nennen. Ohne Farbe verschwindet das, was diese Fotos einzigartig macht.

Nachbearbeitung: Mehr Farbe ist nicht automatisch besser

Der Farbton verändert die Farbe selbst. Die Sättigung bestimmt, wie intensiv sie ist. Die Helligkeit, auch Luminanz genannt, macht eine Farbe heller oder dunkler. Vor allem die Sättigung ist verlockend. Das Foto knallt ziemlich schnell. Ob es stimmig ist, ist eine andere Frage.

Die einzelnen Farbkanäle lassen sich getrennt bearbeiten, etwa um nur Grün abzuschwächen. Rot, Gelb, Grün und Blau kamen weiter oben schon vor: In Schwarz-Weiß steuern sie die Grautöne, in Farbe die einzelnen Farben.

Color Grading, zum Beispiel warme Lichter und kühle Schatten, ist eine Stilentscheidung. Dabei verdienen die Hauttöne Aufmerksamkeit. Ein kalibrierter Bildschirm hilft, Farben zu beurteilen. Auch der Zusammenhang zählt: Sprechen die Fotos einer Serie dieselbe Farbsprache?

Drei Reihen von Farbfeldern, die Farbton, Sättigung und Helligkeit zeigen

Wenn diese eine Farbe weiter ablenkt

Ein greller Fleck am Rand, ein Hintergrund, der sich mit der Kleidung beißt, zu viele Farben auf einmal. Manchmal helfen ein anderer Standpunkt, ein anderer Ausschnitt oder etwas Geduld. Manchmal lässt sich diese eine Farbe in der Nachbearbeitung abschwächen.

Schwarz-Weiß ist ebenfalls eine Möglichkeit. Für Porträts beschreibe ich die Abwägung zwischen Schwarz-Weiß und Farbe. Sie können sich auch meine Schwarz-Weiß-Porträts ansehen. Entscheidend bleibt, was Sie sehen.

Farben selbst sehen lernen

Sie können darüber lesen, aber Sie müssen es auch erkennen lernen. Ein paar Möglichkeiten:

  1. Eine Woche lang eine einzige Farbe als Fotothema wählen.
  2. Zu einer Farbe, die Sie sehen, die Komplementärfarbe suchen.
  3. Im eigenen Archiv die Fotos markieren, in denen die Farbe das Foto trägt.
  4. Ein Foto in Schwarz-Weiß umwandeln. Funktioniert es noch?

Aus diesen Fotos können Sie auch eine Serie machen, in der dieselbe Farbsprache wiederkehrt.

Wie erkennen Sie diese Farben und die Farbtheorie in Ihren eigenen Fotos? Ich bin gespannt.

Quellen:
Farbpsychologie bei Linku
colourharmony.nl/kleur-en-betekenis

Praktisch:
Color Picker / Farbwähler
Farbgenerator

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