Meine Kamera lenkt mich ab
Komisch, oder. Wer mich kennt, weiß, dass meine Fujifilm X100V fast ein verlängerter Arm ist. Und trotzdem lenkt sie mich ab. Sie lenkt mich ab, weil ich mit dieser Kamera nur noch mit Fotografie beschäftigt bin. Sie lenkt mich ab, weil ich durch sie überall Bilder sehe und vergesse zu genießen. Ich vergesse zu lesen, zu entdecken, zur Ruhe zu kommen. Meine Kamera lenkt mich ab.
Während ich das schreibe, rollt der Bahnhof Den Bosch langsam unter mir davon. Meine Kamera steckt in der Tasche, und endlich komme ich zu meinem Newsletter. Klar, ich fahre nach Utrecht, und dort werde ich mich wieder stundenlang in der Fotografie verlieren. Aber das muss jetzt noch nicht sein. Der Zug schaukelt, und eine Dame mit einem viel zu großen Koffer verliert auf der Treppe fast das Gleichgewicht. Ich mag diese Doppelstockwagen nicht, die schwanken zu sehr.
Ich beantworte eine E-Mail. Schön, ein 1:1-Workshop in Nimwegen, natürlich geht das. Es hängt alles zusammen, aber mit der Kamera in der Tasche wird Reisezeit zur Arbeitszeit. Dinge werden erledigt, die ich nicht mehr heute Abend angehen muss. Und seien wir ehrlich: Diese Strecke kenne ich inzwischen im Schlaf. Ich stehe fast automatisch auf, wenn wir fast da sind.
Meine Kamera lenkt mich ab, außer wenn ich bewusst fotografieren gehe. Noch zwanzig Minuten. Dann darfst du wieder aus der Tasche.