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Botschafter der Fotografie als Denkweise

Veröffentlicht am 5 November 2025

In den letzten Jahren habe ich immer stärker gespürt, dass ich etwas damit anfangen möchte. Dass ich Fotografie nicht nur ausüben, sondern auch weitergeben will. Nicht als Technik, nicht als Kunstform, die nur einer ausgewählten Gruppe vorbehalten ist, sondern als eine “Lebensweise”. Als eine Haltung, eine Denkweise. Fotografie hilft mir, aufmerksamer zu sein, neugierig zu bleiben, Verbindung zu suchen. Und ich glaube, dass sie das auch für andere tun kann.

Fotografie als Haltung

Durch meine Fotoworkshops habe ich gemerkt, wie oft Menschen dasselbe Gefühl erleben, sobald sie sich die Zeit nehmen, wirklich zu schauen. Die Momente, in denen der Trubel des Alltags kurz verschwindet. Wenn jemand beim Spazierengehen plötzlich sieht, wie Licht an einer Fassade entlanggleitet, oder wie ein zufälliger Blick eines Passanten etwas darüber sagt, wer wir sind. Das sind keine Fotostunden mehr, das sind Lektionen in Aufmerksamkeit. Und genau darin liegt für mich der Kern dessen, was ich gerne vermitteln möchte.

Manchmal denke ich, dass Fotografie nicht unbedingt um Fotos geht. Das klingt seltsam aus dem Mund von jemandem, der seine Tage mit Objektiven, Licht und Menschen füllt, aber es stimmt. Fotografie ist für mich eine Art zu sehen. Eine Art zu denken sogar. Eine Art, die Welt um mich herum zu verstehen, zu verlangsamen, zu erforschen. Nicht nur durch das Auslösen, sondern durch das Wahrnehmen, durch das Innehalten, durch das Zuhören.

Zwei Menschen gehen durch eine Einkaufsstraße, einer von ihnen mit einer Kamera um den Hals.
Foto: Maarten van der Voorde

Ich spüre ein wachsendes Bedürfnis, eine Art Botschafter dieser Idee zu werden. Nicht im Sinne von großen Worten oder Titeln, sondern in dem, was ich täglich tue. Indem ich Gespräche mit Fotografen führe, Studierende inspiriere, besser zu sehen statt besser zu klicken, und Geschichten in meinem Podcast und meinen Büchern teile. Jedes Projekt, von The Observer (auf Englisch) bis zur Straatfotobijbel (auf Niederländisch), ist im Grunde eine Einladung, die Welt anders zu betrachten.

Was ich bisher erreicht habe, fühlt sich manchmal größer an, als mir bewusst ist. Die Menschen, die mir nach einem Workshop schreiben, dass sie wieder Freude an ihrer Kamera haben. Der Fotograf, der nach einem Mentorengespräch sagt: “Ich sehe es wieder.” Darum geht es mir. Nicht um Follower oder Zahlen, sondern um das Bewusstsein, dass Fotografie etwas in Gang setzt. Dass sie eine Sprache sein kann, die Menschen hilft, sich selbst oder die Welt besser zu verstehen.

Inspirieren und motivieren

In den kommenden Jahren möchte ich das weiter gestalten. Nicht nur mit neuen Workshops oder Büchern, sondern auch indem ich Gespräche anstoße. Darüber, was Fotografie bedeutet in einer Zeit, in der alles schnell gehen muss, in der Bilder oft flüchtig sind. Ich glaube, dass gerade jetzt, in diesem Strom von Bildern, der Wert echter Aufmerksamkeit größer ist als je zuvor. Fotografie als Denkweise ist dann kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.

Und vielleicht ist das das Schönste, was man als Fotograf tun kann: Menschen helfen, anders zu schauen. Nicht nur das Bild zu sehen, sondern auch, was darunter liegt. Die Stille, den Zweifel, das Staunen. Dort liegt die Magie.

Dafür möchte ich stehen. Nicht nur als Gestalter, sondern als jemand, der inspiriert, motiviert und zeigt, dass Fotografie mehr sein kann als ein schönes Bild. Dass sie auch eine Möglichkeit ist, die Welt, und sich selbst, ein wenig besser zu verstehen.

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