Konzeptionelle Straßenfotografie
Die meisten Straßenfotografen gehen einfach raus und schauen, was sich ergibt. Das funktioniert, aber es geht auch anders. In meinen Workshops zur konzeptionellen Straßenfotografie beginnen Sie mit einer Idee, einem Kernwort, einem Thema, einem Gefühl, und diese Idee lenkt Ihren Blick. Das Ergebnis ist Fotografie mit mehr Fokus, mehr Tiefe und Bildern, die wirklich etwas sagen.
Auf dieser Seite finden Sie 25 Beispielkonzepte, die Sie sofort als Ausgangspunkt nutzen können. Im Workshop oder noch heute. Keine vage Theorie, sondern konkrete Ansätze, um mit einem klaren Ziel auf die Straße zu gehen.

1. Warten – wie sieht Stillstand eigentlich aus?
Kernwort: Stillstand
Jeder wartet irgendwo auf etwas, einen Bus, eine Nachricht, eine Person. Dieses Konzept richtet den Blick auf die Momente zwischen dem Tun. Wie sieht Warten eigentlich aus, und was verrät es über jemanden?
2. Schatten – was verrät die Spur, die man hinterlässt?
Kernwort: Abdruck
Nicht die Person selbst, sondern die Spur, die sie hinterlässt. Schatten erzählen manchmal mehr als Gesichter. Sie suchen aktiv nach Licht und Winkel und denken darüber nach, was Sie sichtbar machen, indem Sie etwas weglassen.
3. Abstand – was sagt der Raum zwischen Menschen?
Kernwort: Raum
Der physische und emotionale Raum zwischen Menschen. Zwei Personen auf einer Bank, einen Meter voneinander entfernt. Ein Kind, das allein läuft. Dieses Konzept lädt Sie ein, auf das zu schauen, was nicht da ist, statt auf das, was da ist.
4. Routine – können Sie die Muster sehen, die niemandem mehr auffallen?
Kernwort: Wiederholung
Der Mann mit seinem Kaffee, die Frau, die jeden Morgen dieselbe Strecke fährt. Routine ist unsichtbar, bis man sie sieht. Dieses Konzept hilft Ihnen, Muster im alltäglichen Verhalten zu erkennen.
5. Schwelle – was passiert im Moment des Übergangs?
Kernwort: Übergang
Türen, Stufen, Tore, Orte, an denen jemand ein- oder austritt. Im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Sie fotografieren den Moment des Übergangs, von draußen nach drinnen oder von einem Leben ins nächste.
6. Verbindung – wie klein kann ein Moment der Berührung sein?
Kernwort: Kontakt
Zwei Menschen, die sich kurz berühren, ein Blick, der sich kreuzt, ein geteilter Regenschirm. Verbindung muss nicht groß sein, um spürbar zu sein. Sie suchen nach den kleinen Momenten, in denen Menschen sich finden.
7. Einsamkeit – wie sieht Alleinsein mitten im Trubel aus?
Kernwort: allein
Einsamkeit mitten im Trubel fühlt sich ganz anders an als Einsamkeit an einem verlassenen Ort. Dieses Konzept erkundet, wie jemand inmitten von Hunderten von Menschen allein sein kann, und wie Sie das festhalten.
8. Farbe – welche Geschichte steckt in einer einzigen Farbe?
Kernwort: Signal
Sie wählen eine Farbe und machen sie zum Ausgangspunkt jedes Fotos an diesem Tag. Nicht als Trick, sondern als Weg, anders zu sehen. Welche Geschichten stecken in Rot, Gelb oder Blau?
9. Gesicht – was sehen Sie, wenn jemand denkt, dass niemand schaut?
Kernwort: Ausdruck
Keine Porträtfotografie, sondern Gesichter, die Ihnen im Strom begegnen. Der Ausdruck, den jemand hat, wenn er denkt, dass niemand schaut. Dieses Konzept handelt von Ehrlichkeit und dem Moment vor der Pose.
10. Gegensatz – was passiert, wenn zwei Extreme aufeinandertreffen?
Kernwort: Kontrast
Jung und alt nebeneinander. Reichtum und Armut in einem Bild. Dieses Konzept fordert Sie auf, bewusst nach Spannung zwischen zwei Extremen zu suchen, ohne dass es billig oder allzu offensichtlich wird.
11. Bewegung – wie halten Sie Zeit in einem Foto fest?
Kernwort: Fluss
Die Stadt steht nie still, aber Bewegung lässt sich auf sehr unterschiedliche Arten festhalten. Scharf oder unscharf, aus der Nähe oder aus der Ferne. Dieses Konzept lässt Sie darüber nachdenken, wie Sie Zeit in einem Foto einfrieren.
12. Grenze – sehen Sie die Trennlinien, die wir längst nicht mehr wahrnehmen?
Kernwort: Trennung
Zäune, Linien auf dem Boden, Fenster, durch die man schaut. Grenzen sind überall in der Stadt, aber wir sehen sie nicht mehr. Dieses Konzept macht sie wieder sichtbar.
13. Geschichte – wie viel können Sie weglassen und trotzdem alles erzählen?
Kernwort: Kontext
Ein einziges Foto, das genug zeigt, um eine ganze Geschichte erahnen zu lassen. Nicht alles zeigen, sondern gerade genug. Dieses Konzept dreht sich ums Weglassen und darum, den Betrachter arbeiten zu lassen.
14. Zeit – was bleibt übrig, wenn die Menschen weg sind?
Kernwort: Spuren
Was bleibt übrig, wenn Menschen gegangen sind? Ein leerer Stuhl, eine vergessene Tasche, ein Fußabdruck im Schnee. Dieses Konzept richtet den Blick auf die Überreste von Anwesenheit.
15. Spiegel – was sagt eine Reflexion, die das Original verschweigt?
Kernwort: Reflexion
Spiegelungen in Fenstern, Pfützen, poliertem Metall. Nicht als technischen Effekt, sondern als Möglichkeit, zwei Welten in einem Bild einzufangen. Was sagt die Reflexion, was das Original nicht sagt?
16. Macht – wie sichtbar ist Hierarchie in alltäglichen Situationen?
Kernwort: Position
Wer steht höher, wer schaut herab, wer steht in der Ecke. Macht zeigt sich darin, wie Menschen sich im Raum zueinander verhalten. Dieses Konzept fordert Sie auf, bewusst auf Hierarchie in alltäglichen Situationen zu achten.
17. Kind sein – was sehen Sie, wenn Sie die Stadt durch die Augen eines Kindes betrachten?
Kernwort: Spiel
Kinder sehen die Stadt anders als Erwachsene. Dieses Konzept lädt Sie ein, aus ihrer Perspektive zu fotografieren, wörtlich und im übertragenen Sinne. Nah am Boden, mit vollem Blick für kleine Dinge.
18. Klang – wie fotografiert man etwas, das man nicht sehen kann?
Kernwort: Stille
Wie fotografiert man etwas, das man nicht sehen kann? Dieses Konzept fordert Sie heraus, Klang oder seine Abwesenheit sichtbar zu machen. Ein Mann, der schreit, Kopfhörer, eine leere Straße, die trotzdem laut wirkt.
19. Wiederholung – können Sie den Rhythmus im Chaos der Stadt finden?
Kernwort: Muster
Identische Fenster, dieselbe Haltung bei verschiedenen Menschen, ein Motiv, das immer wiederkehrt. Dieses Konzept dreht sich ums Finden von Rhythmus im Chaos der Stadt.
20. Unsichtbar – wer oder was verdient mehr Aufmerksamkeit, als es bekommt?
Kernwort: übersehen
Die Menschen und Orte, die immer da sind, aber die niemand sieht. Der Reinigungskraft, der Wachmann, der alte Mann an der Ecke. Dieses Konzept fordert Sie auf, demjenigen Aufmerksamkeit zu schenken, der oder was gewöhnlich übersehen wird.
21. Zuhause – wie eignen sich Menschen die Stadt an?
Kernwort: vertraut
Menschen schaffen überall kleine Nischen der Vertrautheit, auch auf der Straße. Ein fester Platz auf dem Markt, eine Gewohnheit, die jemanden zu einem Teil eines Ortes macht. Dieses Konzept dreht sich darum, wie Menschen sich die Stadt zu eigen machen.
22. Angst – wie sieht Unbehagen in einem Foto aus?
Kernwort: Spannung
Kein Horror, aber die kleine Spannung, die in einer Stadt spürbar sein kann. Jemand, der es eilig hat, eine leere Gasse, ein konfrontierender Blick. Dieses Konzept dreht sich um Unbehagen und wie Sie das fotografisch übersetzen.
23. Vergänglichkeit – was steht kurz vor dem Verschwinden?
Kernwort: vorbei
Alles in der Stadt verändert sich, Läden verschwinden, Menschen werden älter, Gebäude werden abgerissen. Dieses Konzept richtet den Blick auf das, was kurz vor dem Verschwinden steht, und die Wehmut, die damit einhergeht.
24. Freiheit – wie machen Sie ein abstraktes Gefühl in einem Bild konkret?
Kernwort: Raum
Wie sieht Freiheit auf der Straße aus? Dieses Konzept lädt zu einer breiteren Auseinandersetzung ein: Was wollen Sie fotografisch sagen, und wie machen Sie ein abstraktes Gefühl in einem Bild greifbar?
25. Glück – was macht einen Moment es wert, festgehalten zu werden?
Kernwort: Moment
Nicht das große Glück, sondern der kleine Funke. Ein Lachen, die Sonne, die durchbricht, jemand, der einen Freund sieht. Dieses Konzept schließt die Serie mit der Frage ab: Was macht einen Moment es wert, festgehalten zu werden?

Das sind 25 Wege, die Straße mit anderen Augen zu sehen. Im Workshop arbeiten wir wirklich damit: Sie wählen ein Konzept, wir besprechen, was es von Ihnen verlangt, und dann gehen wir raus. Gemeinsam, mit einer Idee im Kopf und einer Kamera in der Hand.
Möchten Sie dabei sein? Melden Sie sich unten an. Ich halte die Gruppen klein, daher sind nur begrenzt Plätze verfügbar.